Oktober: Wurzeln

Der „goldene Oktober“ mutet oft wie ein großartiger farbenfroher letzter Lebensakt an: die prächtigen Blätterfarben der Bäume machen den veränderten Säftefluss sichtbar: von oberhalb der Erde in die Erde. Viele Blätter fallen bereits schon ab, die Lebenskraft zieht sich zurück in die Wurzeln.  Nach dem keltischen Jahresrad endet gegen Ende Oktober die helle Jahrehälfte und zu Samhain/ Allerseelen beginnt die dunkle Jahreszeit. Die Menschen waren tief verbunden mit der Kräfteverschiebung der Natur und zogen sich mehr in ihre Behausungen und sich selbst zurück. Auch das Vieh wurde nun in die Ställe getrieben.

Wer selber Pflanzenwurzeln ausgräbt, von Erde reinigt, zerkleinert, als Tinktur in einer dunklen Flasche ansetzt und den Alkohol die wirksamen Pflanzenstoffe aus der Wurzel ziehen lässt, verbindet sich schon mit der Wurzel-Qualität.

Angelica archangelica-Tinktur:

engelwurzel_01_webZum Herstellen einer Angelika-Tinktur benötigt man eine kräftige Angelika-Wurzel, ein scharfes Messer, 40% Alkohol (z.B. Weizenkorn) und ein dunkles verschliessbares Gefäß oder Flasche. Wurzel reinigen und zerkleinern. Dann in die dunkle Flasche geben, mit Alkohol auffüllen, verschliessen und an einem kühlen ruhigen Ort stehenlassen. Ab und zu schütteln. Nach 4-6 Wochen abseihen, in kleine Tropf- oder Pipettenfläschen füllen. Bei Bedarf in individueller Dosierung ein paar Tropfen entweder pur auf die Zunge oder in ein Glas Wasser und schluckweise trinken.

Angelika-Tinktur ist ein wunderbares Verdauungstonikum. Sie wirkt erwärmend auf die Bauchorgane, krampflösend, galletreibend und anregend auf Magensaft- und Bauchspeicheldrüsensekretion. Sie wirkt auch anregend auf die Keimdrüsen, wirkt somit fruchtbarkeitssteigernd und wirkt rückbildend bei Zysten oder Narben. Eine weitere Indikation erschliesst sich durch den alten Volksnamen „Angstwurz“ – sie wirkt nicht nur als Lichtbringerin für den Bauch sondern auch für die Seele und wurde lange Zeit als Schutz vor Ansteckung oder anderem Übel eingesetzt.