Dezember: Mistel

Wohl jeder kennt den Brauch, dass ein sich unter dem Mistelzweig  küssendes Paar ein Leben lang zusammen bleibt. Dieser Brauch fußt in der germanischen Mythologie: der Mistelzweig war die heilige Pflanze der Liebesgöttin Frigga, Mutter des Sonnengottes Balder. Balder beunruhigte seine Mutter durch einen Traum von seinem Tod, der dem Ende allen Lebens auf der Erde gleich kam. Frigga ging daraufhin zu allen Elementen, Pflanzen und Tieren, die ihr versprachen, Balder nicht zu schaden. Doch die auf den Bäumen wachsende Mistel übersah sie dabei. Loki, Gott der Gestaltwandler und Trickster,  wusste davon und schnitzte aus dem Mistelzweig einen Pfeil, den er dem blinden Wintergott Hoder gab. Hoder schoss in Unwissenheit mit diesem Pfeil auf Balder und tötete ihn. Friggas vergossene Tränen verwandelten sich in perlenartige weiße Beeren, die ihren Sohn wieder ins Leben zurückholten. Vor Freude veranlasste Frigga jeden zu küssen, der unter einem Baum mit Mistelzweigen vorbei ging.

Im Dezember nimmt das Tages-Licht noch immer ab, bis zum kürzesten Tag und der längsten Nacht: Wintersonnenwende. Im christlichen Glauben wird am 24. Dezember ein Kind geboren, voller Reinheit, schöpferischer Kraft und Glauben – es ist das versinnbildlichte wiedergeborene Licht in der dunkelsten Stunde, dem göttlichen Teil in jedem Menschen.

Mistel_03_webDie Mistel (Viscum album)

Die Mistel wächst in kugelförmiger Form auf verschiedenen Bäumen und saugt von ihnen Wasser und Nährstoffe – sie ist ein Halbschmarotzer. Sie hat durch ihren Standort weder direkten Kontakt zum Boden, noch zum Himmel, eher zum „Dazwischen“.

Bekannt ist sie v.a. durch ihre blutdrucksenkenden Wirkung oder ihre verdauungs- und stoffwechselfördernden Eigenschaften. Sie hilft, die Nerven zu stärken und Kopfschmerzen und Schwindel zu lindern.

Mit durch ihre „schmarotzende“ und „dazwischen“ – Wesensart liegt eine ihrer Hauptanwendungen in der Krebstherapie. Auch die Krebszelle schmarotzt von ihrem Wirt: den gesunden Körperzellen.

Die Misteltherapie wirkt immunmodulierend, sie erhöht die Anzahl der Immunzellen und steigert deren Aktivität. Mistelpräparate sind Gesamtextrakte aus Blättern, Stängeln und Beeren und enthalten ein Gemisch aus zahlreichen verschiedenen Inhaltsstoffen. Am geläufigsten sind die Mistellektine (die das Wachstum von Krebszellen hemmen = zytostatische Wirkung) und Viscotoxine (die die Zellwände der Krebszellen auflösen = zytologische Wirkung).