August: erste Früchte und Frauendreißiger

Augen_und_Kraeuter_082013 029Im August wechselt der Hochsommer in den Spätsommer, in diesen Monat fällt der „Frauendreißiger“ (römisch-katholische Kirche: „Kräuterweihe„): vom 15.August bis 8.September sammeln die Frauen eifrig ihre Heilkräuter, die nun als besonders heilkräftig gelten; es gibt Prozessionen zur Kirche, in der einzelne Heilpflanzen zu einem Strauss gebunden, geweiht werden. Kräuterkundige knüpfen auch ausserkirchlich  gerne an diesen besonderen Brauch an.

Vorchristlich wurde am 2. August Lammas oder Lugnasad gefeiert, als Fest der Korn-Ernte. Der Gott Lug galt als „Meister aller Künste“, der die Vergeistigung und Vervollkommnung der Natur vorantreibt. Vielerorts wird nun das Getreide gemäht – erste Ernte als Vorbote des heutigen Erntedankfestes. Die Angelsachsen bezeichneten dieses Fest als Loaf-Mass, die Messe oder Feier des ersten Brotlaibes. Es war Brauch, dass die Lady (angelsächsisch: hlofdige = Brotteigkneterin) des Hauses aus den Körnern der ersten, mit der Hand gezupften Garbe ein Brot bäckt und es segnen lässt. (W.-D. Storl)

Wo nun einige Blüten schon welken, strotzen andere in voller Kraft: mit Weidenröschen, Goldrute, Eisenkraut, Wegwarte, Ringelblume, Beifuß, Schafgarbe, Nachtkerze, Spitzwegerich, Hopfen, Malve, Dost und Fenchel ist der Mensch in seinen Leiden umfangreich versorgt; die Brennesseln tragen ihre mineralienhaltigen Nüsschen, lecker sind die ersten Früchte der vitaminreichen Brombeeren, Kirschen, Pflaumen, Äpfel und Birnen. Gut, wer sich die Standorte von Angelika, Baldrian, Beinwell und Klette merkt, deren Wurzeln ab Oktober ausgegraben und für Tinkturen zubereitet werden können.